EINFÜHRUNG - BANDGRÜNDUNG

Wie gründe ich eine Band, halte diese fest beisammen und führe sie zu fantastischen und unglaublichen Erfolgen...

Anmerkung (S. Ballweg):
Wenn Du nur Musik wegen der "fantasitischen und unglaublichen Erfolge" machen willst dann vergiss es am besten direkt und lies nicht weiter. Diese Einführung (und überhaupt das ganze NWB-Projekt) soll all denen dienlich sein, die den Spaß an der Musik suchen und dafür durch dick und dünn gehen wollen. Für diese Personen habe ich versucht eine (zum Teil) witzige und leicht zu lesende Hilfestellung mit typischen Problemen und deren Bewältigung zu geben. Auf einige der nicht ganz naheliegenden Probleme wurde ich erst durch Fragestellungen im Forum aufmerksam. Mein Dank geht deshalb auch an genau die Leute, die sich in unserem Forum überhaupt erst einmal trauen Fragen zu stellen.

Durch die gemeinsame Beantwortung der Fragen lerne auch ich täglich dazu...


Du bist das A und O

Am Anfang steht der Wille, ohne Frage! Wenn Du diesen hast solltest Du darüber nachdenken, was Du kannst und wohin Du willst. Wenn Du bereits Zugriff auf ein Instrument hast beschäftige Dich damit und stelle fest, in wie weit Dich dieses Teil fordert, Deinen Begabungen entgegen kommt oder Dich annervt.
Es kommt z.B. immer wieder vor, dass sich jemand zum Schlagzeugunterricht anmeldet ohne ein Mindestmaß an Taktgefühl oder Rhythmus im Blut zu haben. Das nervt in der Regel am Ende sogar die Lusche selbst und viele hundert Euro sind in den Wind gesetzt. Am Anfang reichen für erste Tests immer die Persil-Kartons zuhause, der Schreibtisch in der Klasse oder die Pobacken besonders dicker Menschen.
Desweiteren ist ein Mindestmaß an Spaß an kreativen Tätigkeiten Grundvoraussetzung. Du solltest immer bedenken das Du nicht nur ein Instrument zu spielen hast sondern (mit etwas Pech) auch noch der Alleinverantwortliche für Ideen, Grafik, Homepage-Programmierung, Medien- und Pressearbeit werden wirst. Erwarte nie das die anderen Bandmitglieder etwas außer ihrem Instrument beherrschen. Du wirst enttäuscht sein!

Deine Verbündeten

In der Regel fehlen Dir zu einer klassischen Band noch Mitstreiter. Diese findest Du am besten über einen Aushang an Schulen (insbesondere an den Musikschulen in Deiner Nähe). Natürlich kann auch eine Anfrage in unserem Stellenmarkt-Forum bei Deiner Suche hilfreich sein.
In jedem Fall sollten Dir Deine zukünftigen Mitstreiter in aller erster Linie sympathisch sein. Wenn das gegeben ist, prüfst Du, ob sich ihre spielerischen Fähigkeiten ungefähr mit Deinen decken.
Es bringt Dir nicht viel, wenn Deine Band-Kollegen sehr viel besser oder schlechter spielen als Du selbst. In diesem Fall werden entweder die Neumusiker oder Du selbst schnell wieder aus der Band rausgeworfen ;-)
Versucht am besten möglichst früh eine technik-begeisterte Person für späteres Sound-Mischen, Recorden etc. zu gewinnen. Solch ein Bandmitglied im Background ist Gold wert!
Tipp zur Bassbesetzung: In der Praxis hat es sich gezeigt, dass oftmals der schlechteste Gitarrist einer Band einfach zum Basser ernannt wird wenn sich für diesen Posten noch niemand gefunden hat. Dieses Handling ist (zumindest auf Dauer) nicht immer sinnvoll. Ein Bassmann sollte über ein gehöriges Maß an Rhythmus- und Groovegefühl verfügen, also entweder ein halber Drummer sein oder zumindest mit einem guten Gespür für fette Vibes. Ein Basser ist einer der wichtigsten Musiker in einer Band und niemals auf Dauer nur eine Notlösung für den tiefen Brei im Hintergrund. Wer sich Bands wie NIRVANA oder MASSIVE ATTACK anhört wird verstehen, dass eine Bassline sehr häufig das Grundgerüst für gute Songs bildet. Fehlt dieses Gerüst kann man noch so virtuos darüber musizieren, es wird immer etwas entscheidendes fehlen!
Tipp zur Drumbesetzung (von einem Gitarristen): Nicht wundern wenn der Schlagzeuger immer unverständliches Zeug grunzt, dabei seltsame Fremdwörter wie "untight" benutzt oder in jeder Spielpause Phrasen und Drumsoli spielt und natürlich nicht hört wenn ihr anmerkt, dass nun gerade Pause ist. Das ist völlig normal - es geht einfach nicht anders ;-)
Tipp zu Eigenheiten der Mitglieder
(siehe dazu auch Proben)

Instrumente und deren Beschaffung

An den Instrumenten (gerade an gemeinsamen Anschaffungen wie z.B. der Gesangsanlage) darf am Anfang einer Musikkarriere ruhig noch etwas gespart werden. Die meisten Bands halten nicht länger als 2-4 Jahre, und die Weiterführung der eigenen Musikkarriere steht dann immer wieder in den Sternen. Heutzutage gibt es allerdings bereits sehr günstige und brauchbare Anfängerinstrumente und einen riesige Auswahl im Gebrauchtmarkt (in Zeitschriften, bei eBay oder in unserem Forum) und ein vormals günstig erworbenes Instrument kann später immer noch als Zweitinstrument gute Dienste leisten wenn Du später zu Besserem strebst.
Wenn Du Dir allerdings nach einiger Zeit sicher bist, dass Musik "Dein Ding" ist und Du diesem Hobby sehr lange nachgehen willst, dann denke spätestens bei Deinem zweiten Instrument über echte Qualität nach. In diesem Fall lohnt sich jede Ausgabe die Dir selbst als gerechtfertigt erscheint und Dir hilft eine Bindung zu Deinem Instrument aufzubauen.
Tipp: Nur ein Instrument das Du liebst wird Dich auf Dauer auch inspirieren können. Erfahrungsgemäß steigert sich die Qualität eines Musikers mit der Qualität des Instruments. Wer eine Höllen-Gitarre hat wird auch alles daran setzen dem Instrument gerecht zu werden. Wer eine Gitarre hat die er nur ungern berührt wird weit weniger darauf spielen. Also genau wie in jeder Beziehung im echten Leben auch ;-) Es zählen übrigens auch bei Instrumenten die Inneren Werte erheblich mehr als die Äußeren - eine minimale optische Übereinstimmung sollte allerdings gegeben sein ;-)

Der Proberaum

Ihr habt keinen Proberaum, weil keiner in Eurer Band zuhause einen Kellerraum im Zugriff hat?
Ihr habt ein Problem!
In diesem Fall gibt es nur drei Möglichkeiten. Entweder Ihr wendet Euch an den Kulturausschuss Eurer Stadt, einen Musikverein in Eurer Nähe oder ihr inseriert. Besonders gute Chancen hat man auf größeren Bauernhöfen und in Städten, in denen es alte Industrieanlagen und Bunker gibt. In jedem Fall solltet Ihr auf ein Mindestmaß an Sicherheit achten. Die Tür zu Eurem Proberaum sollte mindestens solide (besser ist eine Stahltür) und abschließbar sein. Dies bringt logischerweise nichts, wenn die Fenster groß und unvergittert sind oder die Außenwände bröckeln.
Wenn Euer Equipment bestenfalls einen ideellen Wert hat, kann man natürlich gewisse Kompromisse eingehen. Da sich bei einer typischen Combo mit Amps, Drummkit und Gesangsanlage allerdings schnell Werte über 10.000 Euro ansammeln, kann eine solche Baracke kein Dauerzustand sein (zumindest nicht ohne zusätzliche Versicherung).

Die Proben

Probe so oft es geht ohne dass das Proben den Spaß an der Sache beeinträchtigt. Versucht gemeinsam mindestens einen festen Wochentag als Termin zu verankern und diesen auch wirklich als fest zu betrachten. Genauso wichtig ist ein fester Ausweichtermin der zum tragen kommt, wenn der erste Termin durch verschiedene Bandmitglieder mal nicht klappt. Dieser Alternativtermin sollte i.d.R. an einem Tag NACH dem regulären liegen da die Absagen häufig nicht früh genug durchkommen.
Tipp zur Regelmäßigkeit: Versucht keine Probe ausfallen zu lassen, nur weil EINER aus der Band nicht kann. Ihr werdet Euch wundern, wie kreativ das Proben ablaufen kann, wenn mal einer aus der Band fehlt, selbst oder gerade auch, wenn die fehlende Person unverzichtbar zu sein scheint oder deren Spiel die Band dominiert. Proben ohne Sänger können zu neuem Songwriting genutzt werden ohne das ständig jemand darüber grölt oder sich demonstrativ langweilt. Proben ohne Drummer können für Feinarbeiten am Song wie z.B. die Ausarbeitung verzwickter Gitarren-Passagen genutzt werden. Drummer haben für stundelange Arbeit an Nuancen oft wenig Verständnis und machen sich spätestens dann lautstark bemerkbar (siehe Tipp unter Punkt Mitstreiter) wenn sich beide Gitarristen über mehr als 30 Minuten an zweistimmigen, unverzerrten Soli versuchen!
Tipp zu Zuhörern: Probe-Besucher sind ne feine Sache, besonders wenn es ich dabei um tendenziell werdende Groupies oder tendenziell erfolgreiche Plattenmanager handelt. Haltet Euch ansonsten Besucher vom Leib und probt lieber ordentlich anstatt jedesmal ein Mini-Möchtegern-Konzert vom Leder zu reissen, nur um Eindruck zu schinden. Einen Besucher solltest Ihr allerdings warm halten und möglichst frühzeitig aus der breiten Dumpfbacken-Masse rauskristallisieren: Den Bandmischer und Technikfreak! Dieser Freak zeichnet sich in der Regel entweder durch Dickleibigkeit oder Magersucht aus, hat unreine Haut und besitzt eine Computersammlung vom VC20 bis zur Cray und ist fit in Cubase oder eMagic. Er wird Euch in Zukunft beim Recorden helfen, dem Soundmensch des örtlichen PA-Verleihs auf die Finger schauen und gegebenenfalls auf die Füße treten. Dieser Mensch ist, wenn Ihr der Motor Eurer Band seid, der Katalysator und schaut zu, dass der Ausstoß hörbar und angenehm bleibt. Er ist ein vollwertiges Bandmitglied und sollte auch so behandelt werden (Zuteilung von Groupies etc.)

Bandname und Logo

Macht Euch Gedanken ob ihr einen sinnvollen oder möglichst wohlklingenden Namen haben wollt. Denkt außerdem daran, dass Ihr diesen Namen in Eurer Laufbahn wahrscheinlich zig mal und immer wieder auf´s Neue erklären müsst und jede Änderung des Namens einen gewaltigen Aufwand nach sich zieht.
Wenn Ihr einen englischen Namen bevorzugt wälzt einfach mal in einem entsprechenden Wörterbuch. Interessante deutsche Wörter, die sich für Namen eignen findet man dementsprechend im Duden oder in der Literatur.
Natürlich gibt es auch mehr oder weniger witzige Wortkombinationen und Namen aus Wörtern die beabsichtigt falsch geschrieben wurden. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt.
Tipp: Wenn Ihr mehrere Namensmöglichkeiten gefunden habt mit denen jeder in der Band leben könnte gebt in einigen Suchmaschinen im Web mal Eure Auswahl mit dem Zusatz "musik" (auch "music") oder "band" ein und seht nach, ob der Name nicht evtl. bereits vergeben ist.
Ist der Name bereits weg dann lasst unbedingt die Finger davon - Das gibt nur rechtliche Probleme die Euch einiges an Geld kosten können!
Tipp: Euer Logo sendet Ihr am besten per Einschreiben an Euch selbst und öffnet den Umschlag nicht. Ihr habt damit einen Beweis mit Datum für den Ursprung Eures Bandnamens (s. auch Demo)

Die ersten Demo-Aufnahmen

Wenn Ihr Euer erstes Konzert plant, wäre es nicht schlecht, wenn Ihr dann auch bereits die ersten Tapes oder CDs zum Verkauf anbieten könnt.
Versprecht Euch allerdings nicht zu viel von den zu erwartenden Verkäufen. Kein Mensch kauft eine CD von einer unbekannten Combo, wenn diese weit über 7 Euro kostet. Dabei ist es egal welchen Aufwand ihr betreibt (20-seitiges Booklet etc.). Versucht mit möglichst wenig Aufwand und Kosten ein möglichst gutes Stück zu produzieren und verkauft dieses mehr oder weniger zum Selbstkostenpreis. Damit verkauft Ihr mehr, gewinnt evtl. mehr Fans und Zuhörer und könnt dadurch in besser besuchten Locations auftreten. Reich werdet Ihr mit Demo-Verkäufen eh nicht. Seht es also als reine Promotion!
Tipp: Wenn auf dem Demo wirklich gutes Material vertreten ist, sendet Ihr das Demo am besten per Einschreiben an Euch selbst und öffnet den Umschlag nicht. Ihr habt damit einen Beweis mit Datum für den Ursprung Eurer Songs (s. auch Bandname)

Das erste Konzert

Versucht erst aus dem Proberaum raus zu kommen wenn Ihr davon Überzeugt seid, dass es sich für die Zuhörer lohnen könnte. Ansonsten ladet besser zur Abwechslung (und ausnahmsweise / s. Punkt 5) ein paar Freunde zum Proben ein und holt Euch auf diesem Wege erste Meinungen. Es gibt nichts peinlicheres als ein erstes Konzert, zumindest wenn Ihr nicht über augen- oder ohrenscheinliche Qualitäten verfügt. Merke: Nur Eure ersten Konzerte werden in der Startphase von Freunden besucht und von Euren Eltern oder Freunden auf Video aufgenommen. In dieser Phase kann man sich die einzig naheliegende Fangemeinde vergraulen, die Ihr jemals haben werdet ohne Euch den Arsch aufreißen zu müssen. Entsprechend sollte man deren Ohren auch schonen und sie erst dann penetrieren, wenn man überzeugt ist, auch etwas abliefern zu können.

Werbung und Promomaterial für Eure Band

Neben einem anständigen Demo und einem guten Logo/Namen benötigt Ihr noch vernünftige Fotos und Texte über Euch als Band. Die Texte könnt Ihr selbst verfassen wenn Ihr dabei bedenkt, dass sich kein Redakteur ellenlangen und detaillierte Selbstbeweihräucherung durchlesen will. Haltet Eure Infos also so kurz und aussagekräftig wie möglich und geht nur auf Punkte wie Stil, Besetzung, Gründungsjahr, Auftrittsdauer und Eure Preise oder Erfolge ein. Ihr solltet auf Anfrage allerdings noch einen ausführlicheren Text im Petto haben!
Bandfotos sollten am besten von jemandem gemacht werden der Ahnung vom Fotografieren hat. Alternativ könnt Ihr aber auch mehrere Filme (oder SmartMedia-Cards) vollballern und davon gemeinsam ein, zwei der besseren Aufnahmen selektieren und verwerten.
Tipp: Haltet Euer Promomaterial als Computerdateien (txt/jpg/mp3) für ein Versenden per eMail bereit. Dadurch muss eine Zeitung zumindest nichts einscannen oder mühsam abtippen.
Vermeidet es aber unaufgefordert MP3-Files zu versenden! Ladet diese besser auf Eure Homepage und bietet in Euren Mails einen Link zum direkten Zugriff auf Eure Songs an. Heutzutage will nämlich noch keiner megabyte-große eMails empfangen ohne diese angefordert zu haben - So etwas kann ganze Redaktionsserver ausbremsen was Euch mit Sicherheit übel genommen wird!

[ Wird fortgesetzt... ]